Kontraste

Nach zahlreichen positiven Erfahrungen die ich in diesem Blog geteilt habe, halte ich auch für meine Pflicht weniger schöne Dinge zu berichten. Bilderbuchstrände und unberührte Natur, das ist es wohl was der Tourist oder Bagpacker hier erwartet. Tatsächlich ist beides hier auch zu finden. Beispielsweise kann man drei Kilometer durch den Dschungel wandern und dann als Belohnung einen recht verlassenen Strand erreichen. Das ist wirklich schön und ich ertappe mich auch dabei Fotos, die ich schieße, durch einige Anpassungen den letzten Schliff zu verpassen und so ein noch schöneres Bild von meinem Gastland zu suggerieren. Doch lässt man den Blick außerhalb des Bildes schweifen, kann man leider auch die weniger fotogenen Seiten sehen. Denn kaum hat man sein Foto mit einem schönen Stück Treibholz geschossen, treibt weiteres an den Strand. Zu meinem Bedauern jedoch kein weiteres Holz oder Algen. Nein Plastikmüll und Blechdosen gehören leider hier auch zum Strandbild. Nun muss man natürlich sagen, dass hier auch Touristen gerne mit Booten heranstürmen und wahnwütig sich ausbreiten, als müsse man die Insel neu besetzen, doch relativ schnell revidiert man dann seine Eindrücke und beobachtet.

So begann ich also nachzudenken. Ausflüge mit Raju, dem Fahrer des PCHs, wurden zu Erkundungstouren, die mein gewonnenes Bild von der Umweltlage hier in Penang entweder verfestigen oder auflösen sollten. Von einem dieser Ausflüge stammt auch das Bild. Für mich völlig unverständlich wird Plastik einfach so vor die Tür geschmissen. Wer soll es aber auch den Menschen verübeln? Der Konsum an Plastik ist hier rein gefühlsmäßig noch höher als in Deutschland. Zwei Beispiele dazu: Essenspenden kommen in zahlreichen kleinen Plastikboxen, die man nach Gebrauch wegwirft, statt das ganze Essen in ein Behältnis zu geben und dann auszugeben. Kauft man sich an der Straße etwas zu trinken gibt es für den Plastikbecher extra noch eine Plastiktüte, damit man komfortabler sein Saft oder Softdrink transportieren kann. Wer sagt auch im Supermarkt „Nein“ zu einer Plastiktüte, wenn diese umgerechnet vier Cent kostet. Das ist auch für malaiische Verhältnisse billig. Das Resultat also? Man beginnt erneut nachzudenken. Dieses Mal jedoch über Recycling. Ja es gibt auch hier eine Müllabfuhr, die auch zu sehr kuriosen Zeiten fährt (um 4 Uhr morgens oder auch um 23 Uhr in der Nacht kann man lila Wagen sehen). Doch sollen nun die Angestellten der Müllabfuhr anfangen Müllfelder aufzuräumen, die von anderen achtlos produziert werden? Ich bin sehr froh dass unser Home Müll trennt und auch kaputte Dinge zur Recycle-Station bringt anstatt sie einfach wegzuwerfen.

Dennoch kann man schnell den Glauben an Umweltschutz verlieren, wenn man pechschwarze Flüsse sieht aus denen Blasen aufsteigen. Denn neben Plastik gibt es noch ein anderen Einflussfaktor, der für mich eine wichtige Rolle spielt: CO2. Nicht nur in China gibt es Smog. An einigen Tagen kann man auch hier dieses Phänomen beobachten. Der Grund dafür liegt auf der Hand oder wohl eher auf der Straße. Das Verkehrsaufkommen hier ist teilweise ähnlich mit dem von Deutschland. Zwischen Autos, in denen meist nur eine Person sitzt, drängeln Motorroller durch den Stau. Besonders auffällig ist die Zahl der Fahrradfahrer. Ohne zu untertreiben möchte ich behaupten an zwei Händen abzählen zu können wie viele Fahrradfahrer ich bisher gesehen habe. Der Großteil der hiesigen Bevölkerung bedient sich lieber motorisierter Fahrzeuge. Ebenso erstaunlich wie die schiere Masse ist der Betrieb der Vehikel. In meinem bisherigem Umgang mit Autos war ich immer darauf bedacht den Motor nicht zu lange laufen zu lassen, da Benzin ja nicht gerade billig ist. auf das genaue Gegenteil bin ich hier gestoßen: Teilweise kann es schon vorkommen, dass ein Auto auch 10 Minuten im Leerlauf am Straßenrand seht und es niemanden stört. Doch das ist auch nicht verwunderlich wenn man bedenkt, dass ein Liter Benzin umgerechnet knapp 40 Cent kostet. Das Ausmaß davon wird einem klar, wenn man sich zur Rush Hour durch die Blechkolonne mit dem Fahrrad schlängelt. Es ist natürlich unfair Georgetown auf Malaysia zu übertragen und mit dem ländlichen Schweinberg zu vergleichen, jedoch ist dies kein Grund den Missstand anzusprechen. Politiker versprechen ein grüneres Penang, doch erst muss sich der Widerstand in den Köpfen der meisten auflösen.

Ab Montag findet in Bonn die UN-Klimakonferenz. Gastgeber ist jedoch nicht Deutschland, sondern die Fidschi-Inseln die den Klimawandel jeden Tag spüren. Ich merke, dass hier das Bewusstsein, für einen verantwortungsvolleren Umgang mit unserem Planeten, bei den meisten hier eben so wenig wie in Deutschland vorhanden ist. Auch ich stelle fest, dass meine innere Rebellion gegen den Müll abflaut und zu resignierender Akzeptanz wird, doch wahrscheinlich werde ich mich in diesem Bereich niemals dem Lebensstil der Locals anpassen.

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2 Kommentare

  1. Andy 5. November 2017

    Hallo Nils,
    ja so ist leider das Leben in Schwellenländern.
    Es gibt viel schönes zu sehen das mit allen möglichen Mitteln schön gehalten wird, aber es gibt genauso die Kehrseite.
    Aber du darfst nicht vergessen dass die Staaten in Asien/Mittlererosten kulturell „anders“ sind und unserem westlichen Standard hinterher hinken. Jedoch ist gleichzeitig vieles aus unserer westlichen Welt dort vorhanden und teilt das Land in zwei oder drei Entwicklungs-/Kulturzonen.

    Um den ganzen Eindruck jedoch nicht zu trügen muss man festhalten dass ein großer Teil der Bevölkerung es einfach nicht besser weiß bzw mit anderen Kulturen und dem Fortschritt in Berührung gekommen sind.

    Behalte dir die guten Eigenschaften der Locals im Kopf und sieh etwas großzügiger über die dir merkwürdigen Dinge hinweg.

    Grüße aus San Francisco/Los Angeles

    • Iris 5. November 2017

      Hallo Nils
      Eine Veränderung ist wohl nur möglich, wenn es Vorgaben von der Regierung gibt. Das siehst du ja auch in Deutachland, dass weniger Plastikföaschen herumliegen, seit man Pfand bezahlen muss und zusätzlich in den Medien aufgeklärt wird über Umweltschutz.

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