Amsterdam.

Hatte ich geschrieben ich würde nach Malaysia fliegen? Da mir ist doch ein schöner Scherz geglückt. Tatsächlich befinde ich mich gerade in der Hauptstadt der Niederlande. Bevor sich nun aber der ein oder andere fragt was das alles nun zu bedeuten hat kommt hier die Auflösung.

Ich bin nicht in der Innenstadt von Amsterdam, sondern habe einen Tag am Flughafen, den ich hier verbringen darf. Wie bei meinen letzten Flügen reise ich nicht nonstop von Frankfurt nach KL, sondern mit einem Zwischenstopp in Amsterdam Schiphol. Dieses Mal ist dieser Zwischenstopp allerdings etwas länger, nämlich fast einen ganzen Tag.

Mit deutscher Pünktlichkeit kam ich gestern in Frankfurt an und musste feststellen, dass mein Verbindungsflug eine halbe Stunde Verspätung hatte. Nun da ich 1 1/2 Stunden zum Umsteigen hatte, war das gar kein Problem. Nach der Sicherheitskontrolle wartete ich also geduldig auf das Boarding. Doch nach knapp einer Stunde kam die Nachricht, dass der Abflug um weitere 40 Minuten verschoben wurde. Dem Hobbymathematiker sollte nun auffallen, dass mein Umstieg nun in der Theorie zwar noch möglich war, aber dafür äußerst sportlich geplant. Obwohl noch über eine Stunde bis zum neuen Abflug geplant war wurde nun mit dem Boarding gestartet. Also neuer Sitzplatz in einem neuen Teil des Flughafens, aber immer noch warten.

Änderung – Wir bedauern, Ihnen mitteilen zu müssen, dass sich der Flugplan zu Ihrem Flug KL1772 Von Frankfurt nach Amsterdam geändert wurde. Bitte öffnen Sie die App, um mehr Informationen zu erhalten.“

Solche Benachrichtigungen list man in dieser Lage doch gerne (Vorsicht Ironie!). Meine geplante Umsteigezeit betrug nun -21 Minuten. Unser Abflug hatte sich weiter nach hinten verspätet. Doch ein Hoffnungsschimmer schien mir, dass auf mein Nachfragen gesagt wurde, dass es offensichtlich ein Wetterproblem in Amsterdam gäbe und eventuell auch mein Anschlussflug später los fliegen könnte. So warteten wir, die Passagiere des Flug KL1772, weiterhin hoffnungsvoll Anschlussflüge zu bekommen.

Um 20:15, zur Primetime startete unser Flieger endlich in den Nachthimmel von Frankfurt. Kurz zuvor hatte ich in der KLM App gesehen, dass mein Flug nach Malaysia auch etwas Verspätung hatte und nun die Umstiegszeit 3 Minuten betrug. Nun muss man aber sagen, dass diese Zeit als Differenz von der Landung des einen Flugzeugs bis zum Start des anderen gerechnet wird. Also hätte ich theoretisch auf dem Rollfeld aussteigen und in das andere Flugzeug steigen müssen. Doch was wäre dann mit meinem Koffer? Meine einzige Hoffnung war nun nur noch, dass möglichst viele Passagiere auf dem Flug fehlten und so das Flugzeug noch auf die Zubringerflüge warten würde.

Diese Hoffnung wurde aber kurz vor Amsterdam vernichtet, als eine Stewardess mit 5 DIN A4 Seiten die verpassten Anschlussflüge durchgab. Sichtlich hilflos waren nicht nur einige Passagiere, sondern auch das Kabinenpersonal. Die schiere Anzahl an Flügen, die verpasst oder nur eventuell erreicht werden konnten machten unmöglich jedem Passagier genauere Informationen zu dem jeweiligen Flug zu geben. Gelandet und doch zu spät schaute ich aus dem Fenster. Eins dieser Flugzeuge würde in Kürze abheben. Mindestens mit einem Passagier zu wenig.

Das Aussteigen im Flugzeug ist jedes mal ein Phänomen, das sich wohl nicht bekämpfen lässt. Kaum steht das Flugzeug werden die ersten Koffer aus den Gepäckfächern gerissen. Durch die Verspätung des Flugs und die damit verkürzte Umstiegszeit für Anschlussflüge intensivierte sich das Phänomen. Es scheint Menschen zu geben, denen es wichtig ist als erstes aus dem Flugzeug zu kommen ohne Rücksicht auf andere Reisende. So kam es zu einigen flüchtigen Diskussionen zwischen Passagieren, deren Endstation Amsterdam war und denen die noch weiter reisen wollten. Schlussendlich schafft es jedoch wirklich jeder aus dem Flugzeug und eine Menschenmasse trifft am Transfer Service Punkt auf eine weitere Menschentraube, die auch heute nicht mehr von Amsterdam weg kommen wird.

„Glückwunsch – Ihre Bordkarte wurde aktualisiert. Wussten Sie schon, dass Sie diese Ihrem Handy ganz einfach hinzufügen können?“

Danke KLM App. Du machst das Leben mit deinen Benachrichtigungen so viel leichter (Ironie!). Mit meiner alten Bordkarte ausgestattet ging ich an einen Automaten, um zu erfahren wie es nun weiter gehen würde. Das Ergebnis war eine neue Boardkarte, ein Gutschein für den Flughafen, ein Gutschein für eine Übernachtung und eine Information mit welchem Shuttle ich dort hinkommen würde. Nun gut dann ist mein Schicksal für heute wohl besiegelt und ich werde mal meinen Koffer holen. Das war mein Plan, aber nach einer freundlichen Information des Bodenpersonals wurde mir gesagt, dass der Koffer im Flughafen einbehalten wird. Na dann also gleich ins Hotel.

Ich möchte nochmal erwähnen, dass ich nach Malaysia aufbrach. 30°C war meine Erwartungshaltung. 4°C war die Realität in Amsterdam Schiphol an der Bushaltestelle. Trotz meines Pullovers hätte ich mir jetzt gerne eine Jacke gewünscht. Besonders weil der Bus erst nach 20 Minuten warten kam. Natürlich war ich längst nicht der einzige, der in einem Hotel untergebracht werden musste und so war der Bus bis auf den letzten Platz gefüllt.

So stürmten 60 Personen den Empfangsbereich des Hotels in dem schon ein gutes Dutzend Menschen auf ihr Zimmer warteten. Nachdem man seine Daten in dem entsprechenden Formular ausgefüllt hatte konnte man sich in der Schlange für die Rezeption anstellen. Wer es bis dahin geschaffte sich im Zaum zu halten wurde jetzt langsam aber sicher etwas ungehalten. Mit starkem deutschen Akzent wurde sich über die Situation bei der Rezeptionistin beschwert, die wohl am aller wenigsten dazu konnte. Mittlerweile war es 22:53 Uhr und ich konnte endlich auf mein Zimmer. Mit einer Zimmerkarte, meinem Rucksack und einer Zahnbürste bewaffnet trat ich in mein Einzelzimmer und war einfach nur froh jetzt wenigstens irgendwo angekommen zu sein.

Es wartete aber noch ein kostenloses Abendessen und auch wenn Essen um diese Uhrzeit wahrscheinlich gegen sämtliche Ernährungstipps und -vorschriften verstößt war mir das egal. Noch immer waren die beiden Damen an der Rezeption bemüht die Menschen in ihren Zimmern unterzubringen und das mit einer Freundlichkeit, die wohl einiges abverlangte. Nachdem ich durch die Schlange durchwunden hatte und erfolgreich Besteck gefunden hatte, suchte ich nach einem Platz, der angesichts des Ansturms auf das Buffet noch relativ sauber aussah. Das Essen war recht unspektakulär, aber das war mir kurz vor Mitternacht egal.

Meine neue Abflugzeit von Amsterdam ist um 20:50 Uhr. Also hatte ich noch einen ganzen Tag vor mir von dem ich noch nicht so wirklich wusste wie ich ihn vorbeibringen sollte. Erstmal ausschlafen, dann frühstücken und dann die Check-out Zeit bis zum Maximum ausreizen. Das war der Plan bis 11 Uhr. Nun sitze ich kurz vor 14 Uhr immer noch immer noch in der Lounge des Hotels, weil es hier einfach mit Polstermöbeln gemütlicher ist als auf dem Flughafen. Ins Zentrum von Amsterdam könnte ich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zwar auch, aber ich habe seit gestern immer noch nicht mehr als einen Pullover und das wird auf Dauer dann doch etwas kalt und ungemütlich, weil ich ja auch mein Handgepäck immer im Schlepptau habe.

Als ich von neuen Herausforderungen geschrieben habe, war mir nicht klar, dass meine Reise gleich so beginnen würde. Es war nicht mein Plan gleich schon am nächsten Tag wieder etwas für meinen Blog zu schreiben, aber wie sagt man manchmal so schön: „life happens when you making plans“ (frei nach John Lennon).

Nun hoffe ich, dass heute alles klappt und ich in meinen Urlaub starten kann. Am richtigen Flughafen bin ich ja jetzt schon mal.

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