Rumah kedua

Es war schon immer angenehm gewesen, dass der Arbeitstag im Penang Cheshire Home erst um 9 Uhr anfing. So war es nicht ganz so tragisch, dass wir so spät zu Bett gegangen waren. Als ich aber am Donnerstagmorgen aufwachte wurden meine Befürchtungen vom vorherigen Abend war. Schon beim Einschlafen hatte ich gemerkt, dass mein Rücken leicht schmerzte. Im Verlauf der Nacht hatte sich zu den Gliederschmerzen, aber noch Kopfschmerzen hinzugesellt. So lag ich also in meinem alten neuen Zimmer und wusste nicht was geschehen war. Hatte ich mich irgendwo verkühlt? Meine Klimaanlage war nur recht kurz an gewesen. Alles grübeln half nichts. Ich stand auf und duschte mich, um dann gleich frühstücken zu gehen. Von Salinder hatte ich Nescafé Päckchen bekommen weshalb das Mischen von Milchpulver und Instantkaffee heute nicht nötig war. Stattdessen konnte ich wieder zusammen mit ein paar Nachzüglern mein Frühstück genießen.

Kurz vor 9 Uhr schrillte die Pausenglocke; das Zeichen für die Bewohner, die alltägliche Walking-Session zu beginnen. Während zu meiner Zeit dieses Workout auf dem Parkplatz des Homes stattgefunden hatte, gab es nun einen neuen Ort. Der neu angelegte Garten, der bei meinem Abschied nicht viel mehr als eine grüne Wiese gewesen war, war nun die neue Route. Der glatte Beton machte es gerade für die Rollstuhlfahrer zu einer viel angenehmeren Strecke als zuvor. Ebenfalls gab es wieder einen Bereich, in dem ein Baum Schatten spendete und so für alle eine gute Stelle war, um sich auszuruhen. Ich jedoch wollte die Sonne genießen und wie damals setzte ich mich für den ersten Teil der Stunde in die Sonne. Neben dem Effekt braun zu werden, merkte ich auch, dass die Sonnenstrahlen meinen Gliedern ganz gut taten. Merlin fragte mich, ob ich nicht Lust hätte ihn bei der English-Class zu unterstützen. Das tat ich natürlich sehr gerne und nachdem die Walking-Session beendet war holten wir unsere Schüler. Sharil, Frederick und Daran sollten sich gegenseitig englische Sätze vorlesen und den Sinn dahinter entschlüsseln. Das klappte manchmal besser und manchmal schlechter, je nachdem wie lange und kompliziert der Satz war. Mein größtes Problem waren im Moment eher die beiden Klimaanlagen, die liefen und so beschloss ich nach der English-Class nichts mehr in Räumen zu machen, die klimatisiert waren, einfach um schneller wieder gesund zu werden. Es war jetzt aber erstmal wieder Aerobic-Zeit und nachdem sich alle wieder in der Halle eingefunden hatten wurde die CD mit Liedern gestartet und Bewegungen vollführt. Viel wichtiger war aber das Essen danach (zumindest für einige Heimbewohner).

In meiner Zeit des IJFDs hatte ich während der langen Mittagspause immer versucht etwas für mich oder das Home zu machen, doch heute war ich mir ganz sicher, dass ich die Zeit zur Regeneration brauche. Obwohl ich normalerweise überhaupt nicht von einem Mittagsschlaf zu überzeugen bin, war es heute eine gute Idee, auch wenn ich mich nach 1 1/2 Stunden Schlaf noch nicht wieder top fit fühlte. Das schlimmste am Kranksein ist ja, dass man eigentlich nicht wirklich etwas machen kann und sehr wenig Antrieb findet etwas zu tun. So war es ungefähr auch bei mir und ich fragte mich, was ich noch mit dem Nachmittag anfangen könne. 

Waschen! Ja ich weiß das mag jetzt nicht so spektakulär klingen, aber in der Verfassung in der ich war, stellte sich diese Aufgabe als machbar heraus. Obwohl die Waschmaschine nur eine Dreiviertelstunde anzeigte, wusste ich dass nicht früher als in einer Stunde vorbeikommen müsste. Vielleicht sind diese Zeiten auch nur bloße Empfehlungen, aber ich hatte das System während meines Jahrs durchschaut. Ich musste allerdings noch Salinder Bescheid geben, dass ich heute Abend nicht auf eine Veranstaltung mitkommen würde. Bei meiner Ankunft wurden bereits viele Pläne geschmiedet von denen dieser jetzt eben gecancelt werden musste. Ich wollte mich nicht den Klimaanlagen der Mall aussetzen, wenn ich krank war. Glücklicherweise verstand meine Chefin das sehr schnell und war verständnisvoll. So war zwar leider mein Abendprogramm gerade Baden gegangen, aber ich war froh darum.

Das freudige Resultat am Freitagmorgen war, dass es mir schon viel besser als den Tag zuvor ging. Ich merkte zwar immer noch ein Pochen im Kopf zu dem sich nun auch Fieber gesellt hatte, aber die Gliederschmerzen waren fast weg. So konnte ich auch ein wenig mehr mitarbeiten als am Tag zuvor. Da Evan heute scheinbar nicht kommen würde tat ich das, was ich damals schon gemacht hatte: Physiotherapie. Dadurch, dass ich ja schonmal zwei Monate mit Letchumi im Physioraum gearbeitet hatte, war es für mich nicht wirklich schwer mich wieder einzuarbeiten. Im Gegenteil es war eigentlich ganz interessant zu sehen, wer welche Fortschritte gemacht hatte und wer noch immer mühsam angetrieben werden musste. Ich weiß ehrlich gesagt auch nicht was heute der Grund dafür war, dass die Klimaanlage ausgeschalten war, aber heute freute ich mich über die Temperatur in dem sonst so kalten Raum. Da der Foster Parents Day dieses Mal scheinbar sehr bzw. Zu früh für mache Organisationen gekommen war, fanden nun immer mal wieder functions im Home statt. So auch an diesem Tag kurz nach dem Mittagessen. Ein Lionsclub war zu Gast und beschenkte die Bewohner mit Kissen und Süßigkeiten ehe es etwas zu essen gab. Vor nicht einmal zwei Stunden hatten die meisten zwar erst etwas gegessen, aber das störte wohl die wenigsten. Die offizielle Teatime um 15 Uhr fiel dadurch aber glücklicherweise aus.

Ich wollte Letchumi gerade wieder bei der Physiotherapie helfen und nur noch meine Flasche holen, als ich es in einem Zimmer plätschern hörte. Dieses Zimmer ist Aufbewahrungsort für viele Dinge und eigentlich immer abgeschlossen. Doch es machte wenig Sinn, dass ich bereits an der Tür hörte, dass irgendwo Wasser laufen musste, denn das Badezimmer war im hinteren Teil. Also ging ich ins Office und nahm mir den Schlüssel und öffnete das Zimmer. In wasserfallähnlichen Zuständen lief das Wasser von der Decke. Nun muss man allerdings wissen, dass über dem Raum maximal eine Wasserleitung verlaufen kann. Mit meiner Erkenntnis stürzte ich zu Mary und ging selbst gleich Eimer und Wischmob holen. Innerhalb weniger Stunden musste dieses Rohr wohl geplatzt sein und hatte nun schon angefangen den Raum langsam zu überfluten. Zusammen mit einem Bewohner und Merlin schafften wir alles auf die Betten oder nach draußen, sodass es sicher vorm Wasser war, doch einige Kartons waren schon so durchgeweicht, dass wir sie nur noch wegschmeißen konnten. Nachdem alles in Sicherheit gebracht war und die Eimer aufgestellt waren hieß es nun auf den Klempner warten. Ich versuchte unterdessen schon mal den See etwas aufzuwischen und in die Eimer zu verteilen. So hatte ich nicht gedacht dass der Freitagnachmittag laufen würde, aber glücklicherweise hatten wir das Leck frühzeitig bemerkt und nachdem wir einige Leitungen, die nach oben führten, ab und wieder angeschaltet hatte hörte das Tropfen auch auf. Ich wollte nun zum Pasar Malam, dem „Nacht“-Markt (der von 16 – 19 Uhr) ist. Mein Ziel war der Murtabak-Stand, den ich irgendwann im Laufe des Jahres zu lieben gelernt hatte. Heute aber war dieser Stand nicht da und ehrlich gesagt meine Enttäuschung darüber schon groß. Naja was soll man machen richtig? Ich kaufte mir also etwas anderes und machte mich auf zum Abendessen. Merlin war schon früher Richtung Fitnessstudio gegangen und wir wollten uns später auf jeden Fall nochmal treffen. Nachdem ich ihn abgeholt gingen wir zu der Tan Jetty, auf der nichts los war. Im Angesicht des Hafens von Butterworth hatten wir wieder sehr interessante Gespräche und genossen den lauen Wind der See.

Der Samstag sollte entspannt werden. Nach dem langen Abend gestern schlief ich etwas länger und ging erst um 9:30 Uhr frühstücken statt wie sonst um 8 Uhr. Da ich noch nicht wirklich etwas geplant hatte schrieb ich zuerst an dem Blogbeitrag. Ich muss aber ehrlicherweise gestehen, dass ich wohl in meiner Tollpatschigkeit es danach geschafft hatte nicht zu speichern. Jedenfalls war alles was ich bereits am Samstagmorgen geschrieben hatte jetzt wieder weg und ich durfte erneut von vorne anfangen. Ich hatte mir überlegt wieder etwas durch Penang zu gehen und mir anzuschauen was ich so verändert hatte. Allerdings wollte ich nicht hungrig das Home verlassen, weshalb ich bis nach dem Mittagessen wartete, ehe ich aufbrach. Nun gut so viel verändert hatte sich nicht, aber auch vieles wieder zu sehen war schon irgendwie lustig. Während des Laufens war mir eingefallen, dass mir noch etwas in der Mall kaufen könnte und obwohl der Eingang nicht immer einfach für mich zu finden war gelang es mir dieses Mal sehr schnell. Mein Ziel war ein Flipflop-Laden im ersten Stock der Mall. Diesen fand ich auch ohne Probleme, obwohl ich nicht so häufig hier gewesen war. Mit meinem Einkauf stolzierte ich wieder aus der Kühle heraus und machte mich langsam auf dem Rückweg. Bei Dunkelheit wollte ich auf jeden Fall nochmal durch die Stadt ziehen. Bepackt mit der Kamera ging es dann auch gleich nach dem Abendessen los. Da Grab (wie Uber in Südostasien) mittlerweile aber sehr teuer geworden war, entschied ich mich zu laufen. Ich glaube es sind ein paar ganz gute Bilder an diesem Abend entstanden, aber als ich kurz nach 22 Uhr zurückkam und auf mein Handy schaute wusste ich warum ich müde war: über 21.000 Schritte oder 14 Kilometer in einem halben Tag war ich nicht gewohnt.

Das sollte auch der Grund sein weshalb mein Sonntag wieder später startete. Scheinbar hatte ich mich auch etwas übernommen, denn das Kopfweh war im Verlauf der Nacht wieder mit einem Fieber verstärkt zurückgekommen. Am Morgen war aber davon noch nicht zu viel zu spüren. Merlin hatte ich nicht noch nicht gesehen, aber er war gestern Abend auch aus gewesen weshalb ich vermutete, dass er noch schlief. Mein Ziel heute war der Pop Up Market im Hin Bus Depot. Da dieser allerdings erst ab 11 Uhr öffnete hatte ich noch den Vormittag vor mir zur freien Verfügung. Aus der Conference-Room schnappe ich mir eine Gitarre spielte ein paar Lieder vor mich hin. Da die Sonne aber wieder schien wollte ich ein paar Sonnenstrahlen erhaschen und setzt mich nochmals in den Garten ehe ich mich in meinem Zimmer die Resultate der gestrigen Nacht auf meinem Foto anschaute. Eigentlich wollte ich dann um 12 Uhr essen gehen, um dann Richtung Hin Bus Depot zu laufen. Doch leider musste ich feststellen, dass schon wieder ein Lions Club da war und etwas überreichen wollte. So musste die Bewohner (und ich) wieder Reden anhören, die wahrscheinlich die wenigsten verstanden. Nach der Spendenübergabe folgte dann noch ein Gruppenfoto bevor es endlich Essen gab. Nicht, dass ich so viel Hunger gehabt hätte, aber die Bewohner des Homes sind durch den getakteten Tagesablauf im Home schon gewohnt, dass es um 12 Uhr Essen gibt. Das fehlte ihnen seit einer geschlagen Dreiviertelstunde nun. Glücklicherweise waren alle aber dennoch sehr glücklich als ihnen etwas serviert wurde und ich konnte nach dem Essen los. Doch ehrlich gesagt, war der Weg ins Stadtzentrum anstrengender als erwartet. Langsam meldeten sich Fieber und Kopfschmerzen wieder zurück.

Der Pop Up Market im Hin Bus Depot ist wohl so etwas wie ein Künstlermarkt in Deutschland, nur kommt hier noch Live-Musik und ein Restaurant hinzu. Es ist einer der Orte, die ich für einen Sonntagnachmittag wärmstens empfehlen kann. Auch wenn ich nicht der beste Kunde bin, fand ich mich doch immer sehr willkommen auf dem Gelände, dass nebenbei auch viel Streetart besitzt. Besonders ein Marktteilnehmer hatte uns Freiwillige immer wieder in Bann gezogen. Ein Niederländer, der seinen Schmuck von Hand herstellte und dabei seltene Steine und traditionelle Formen wählte. Ich hatte inständig gehofft ihn auch dieses Mal wiederzusehen, aber leider war mir das Glück nicht hold und ich konnte nichts bei ihm kaufen. So verbrachte ich einfach einige Zeit so im Hin Bus Depot, bevor ich mich auf den Rückweg machte. Vielleicht war es die Kombination der Sonne und der Temperatur, aber ich fühlte mich wieder richtig krank als ich im Home ankam und legte mich erstmal wieder etwas hin. Es sollte an diesem Wochenende also doch nicht so viel passieren wie erhofft. Lieber wollte ich ganz gesund werden für nächste Woche.

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