Auf ein nächstes Mal

Das unspektakuläre Wochenende war vorbei und es stand wieder „Arbeit“ auf dem Programm der meisten. So wurde auch heute von mir etwas gefordert. Wie der ein oder andere vielleicht noch weiß habe ich zum Abschied die Website des Homes neu gestaltet und aktualisiert. Anders als gedacht, wurde die Seite auch ab und zu mit neuen Informationen gefüttert auch wenn die Bilder noch die gleichen waren. Aber genau darum ging es Salinder. Sie wollte wissen, wie man Bilder in die Website einfügen kann. Ohne großen Aufwand zeigte ich ihr das Prozedere und das schwerste für sie war anfangs das passende Bild herauszusuchen. Nachdem also ein passendes Bild gefunden und hochgeladen war, dauerte es nicht lange dieses in die Seite einzupflegen, auch wenn ich nicht weiß, ob es beim nächsten Mal ohne mich auch wieder klappt. Dank dieser Hilfe hatte ich wohl wieder ein Stein im Brett und ich wurde gefragt, ob ich heute Mittag essen gehen wollen würde. Ja, warum eigentlich nicht? Um 12:30 Uhr sollte ich fertig zur Abfahrt sein und so war die Mittagspause für heute wohl auch gestrichen. Es war aber an diesem Morgen nichts mehr, dass in irgendeiner Weise spannend zu erzählen gewesen wäre.

Ich war gerade beim Reis ausgeben und es war noch nicht Zeit sich zu treffen, da winkte mir Salinder zu, dass ich kommen sollte. Ich dachte, dass wir nun fahren würden, aber scheinbar war ich ihr zu schlecht angezogen, denn ich wurde nochmal weggeschickt, um mich umzuziehen. Ich hatte keinen blassen Schimmer, wo wir hin gehen würden, aber ich zog eine lange Hose an und geschlossene Schuhe, um respektvoll gekleidet zu sein. Doch zuerst ging es gar nicht zum Essen. Rokiah hatte bei einer Spende scheinbar einen Fehler gemacht und dieser musste noch mit der Spenderin geklärt werden. So machten Salinder, Rokiah und ich uns auf den Weg Richtung Ayer Itam oder auch zu Kek Lok Si. Dort wollte ich eigentlich auch am Wochenende nochmal vorbeischauen, aber nun sah ich den Tempelkomplex wenigstens nochmals aus einiger Entfernung so. Bei einer Art Gärtnerei hielten wir dann an und Rokiah ging in das Geschäft, um alles zu klären. Ich wartete im Auto von Salinder, das neu war wie mir in diesem Moment auffiel. Allgemein würde ich sagen, dass seit meiner Abwesenheit eine Menge neuer Autos auf den Straßen unterwegs waren. Immer häufiger sah ich jetzt auch deutsche Automarken. Vielleicht gab es die Dieselabgasskandalwagen (schönes Wort oder) hier dann zu eine, günstigeren Preis oder was auch immer. Wir waren wieder vollständig und konnten weiter fahren.

Auf dem Weg zurück ging es jetzt Richtung Gurney und bei der Mall fuhren wir in die Tiefgarage. Wir aßen also im Gurney Plaza. Das ist zwar schon gehobener als ein Food hawker um die Ecke, aber ich bilde mir ein ich hätte auch dort mit meinem Klamotten von vorher etwas zu essen bekommen. Statt jeder ein Einzelgericht, bestellten wir eine Auswahl für drei Personen, sodass jeder von allem essen konnte. Es war schon ein komisches Gefühl alleine mit meinen ehemaligen Chefs nach so langer Zeit essen zu gehen. Glücklicherweise war viel los und es gab vieles zu sehen. Auch wenn das Essen ganz lecker war, musste ich schon recht früh passen. Ich hatte relativ wenig Appetit und mir war kalt. Ich vermute mal, dass es immer noch daran lag, dass ich die Krankheit noch immer nicht ganz überstanden hatte. Meine Chefinnen konnten das aber verstehen und waren darüber nicht böse. Ich war dankbar und hoffte nun auf den Weg zurück, aber wir wollten noch weiter. Diese Fahrt erinnerte mich auch etwas zurück. Manchmal waren kurze Fahrten regelrechte Arbeits- und Besorgungstrips geworden. So etwas hatten die beiden heute scheinbar auch vor. Noch in den Supermarkt und Gutscheine besorgen, bevor wir Spiegel für die Bewohner kauften. Eigentlich stand noch ein Ziel auf der Route, aber scheinbar hatte etwas die beiden dazu bewogen, doch Richtung Home zu fahren.

Dort gab es bereits Tea Time und ich war vor allem froh aus der Luft der Klimaanlage zu sein. Ich war wirklich durchgefroren nach unserer Tour und merkte, dass alles was heute morgen gut gewesen war, allmählich sich wieder zu verschlechtern zu begann. Merlin hatte mir bereits am Wochenende von dem Camping erzählt, dass er heute Abend mit ein paar Freunden am Monkey Beach machen würde. Ich hatte eigentlich zugesagt, dass ich mitkommen würde, aber im Moment sah es für mich leider nicht so aus. Das frustrierte mich etwas. Ich wusste die Chance im Nationalpark wieder zu übernachten zu können ist verschwindend gering, aber wollte ich dann die Spaßbremse sein, die früh ins Bett geht, während alle anderen im Meer baden? Nein, dass wollte ich nicht und so sagte ich Merlin schweren Herzens ab.

Man sagt ja immer, dass ein grippaler Infekt ungefähr eine Woche braucht bis er wieder verschwunden ist. Selbiges galt bei mir. Nun 6 Tage später merkte ich fast nichts mehr und war froh die lästige Zeit hinter mir lassen zu können. Heute war schon mein letzter Tag im Home und gerade hier fühlte es sich an als wäre die Zeit schneller verflogen als sonst. Das mag aber auch sicherlich daran liegen, dass ich krank war und nicht viel gemacht habe. Egal wie – ich wollte mir den letzten Tag nicht dadurch verderben lassen. Heute sollten wieder die Friseure kommen und die Haare der Bewohner schneiden. Normalerweise hatte ich diese Chance für einen kostenlosen Haarschnitt auch genutzt, aber heute war ich eigentlich ganz zufrieden und würde den Bewohnern die Bühne lassen. Es ist jedes Mal ein kleines Glücksspiel, was bei den neuen Frisuren herauskommt. Ich erinnere mich an Zeiten, wo Bewohner sich nach dem Friseurschnitt sehr geärgert hatten oder aussahen, als hätte jemand das Haarschneidegerät zu extrem eingestellt. Heute war es aber ein durchaus akzeptables Ergebnis. Manchmal hatten auch einige Damen des Personals ihre Haare kürzen lassen, aber das war heute auch nicht der Fall. Nach gut einer Stunde zog die Armee mit ihren Schneidegeräten weiter. Dadurch war heute die Walking Session etwas in Mitleidenschaft gezogen worden, aber es gab immer noch genug Bewohner, die ihre Runden im Garten drehten. Ich wollte heute noch ein Bild mit ein paar Bewohnern schießen und dabei das aktuelle T-Shirt des Homes tragen. Statt einem grellen Pink war man nun Anfang des Jahres auf eines dunkles Blau umgestiegen. Das fanden eigentlich alle deutlich besser, als die Farbe der vorherigen Arbeitskluft. Ich hatte ich in meinem Jahr aber überraschend gut die Farbe zu tragen gelernt.

Um ein blaues T-Shirt zu bekommen, musste ich im Office nachfragen. Dort musste ich auch meinen Grund für die Bilder offenbaren. Wie vielleicht einige mitbekommen haben hat die Seelsorgeeinheit Hardheim – Höpfingen bei mehreren Aktionen letztes Jahr eine beachtliche Summe für das Penang Cheshire Home gesammelt. Deswegen wollte ich in einer kleinen Geste die Bewohner zusammenbringen. Salinder gab mir ein T-Shirt, sagte mir aber auch gleich, dass ich bis heute Mittag bis zu dem Bild warten müsse. Das war mir bewusst, da die meisten Bewohner jetzt zu tun hatten, aber Zeit sollte keine Rolle spielen. Ich traf in der Halle erstmal eine alte Bekannte. Nicht nur ich erkannte Lesley sofort wieder, nein, sie freute sich auch sichtlich mich wieder zu sehen. Ich muss an dieser Stelle voller Bewunderung sagen, dass ich jedes Mal von der guten Laune angesteckt werde, die Lesley besitzt. Sie ist eine von denen Personen, die ich nur freudig kenne und die so selbstlos mit den Bewohnern umgeht. Manchmal wünschte ich auch mehr wie sie zu sein. Als ich ihr von meinem Kurzaufenthalt erzählte war sie beeindruckt und dankbar, dass ich zurück gekommen war. Es war wirklich schön sich wieder mit Lesley zu unterhalten. 

An sich verlief der Tag außer dieser Begegnung sehr unspektakulär. Ich hätte das nicht beschreien sollen, denn als ich kurz nach 14 Uhr am Computerraum vorbei lief fragte mich Merlin, ob ich den Laptop gesehen hatte. Seit einiger Zeit wurde die Computer-Class am nicht mehr am PC durchgeführt, sondern mit einem gespendeten Laptop. Doch dieser war scheinbar gerade nicht zu finden. Ich half Merlin suchen und wir stellten den kleinen Computerraum halb auf dem Kopf und auch nachdem wir die Nachbarräume durchgeschaut hatten, war nichts von einem Laptop zu sehen. Ob er wohl geklaut worden war? Ehrlich gesagt konnte ich mir das ja nicht vorstellen, denn welcher Bewohner sollte den schwarzen Kasten nehmen und wie dann nutzen? Zudem gab es ja noch eine Passwortsperre. Wir waren mit unserem Latein am Ende und informierten erstmal das Office. Das ganze Home wird videoüberwacht und deshalb fragten wir uns, ob eine Kamera etwas eingefangen hatte. Da Merlin seit Freitag keine Computer-Class mehr gegeben hatte würde es wohl etwas dauern, bis wir die Aufnahmen durchgeschaut hatten. Die maximale Wiedergabegeschwindigkeit (4 fach vorwärts) war da auch nicht besonders unterstützend. Trotzdem begannen wir die Aufnahmen durchzuschauen, ob etwas verdächtiges zu sehen war. So müssen sich wohl Einkaufsdetektive fühlen dachte ich mir.
Bis zum Ende der Arbeitszeit hatten wir allerdings nichts gesichtet und so würde das Laptop erst einmal verschwunden bleiben. Meine heimliche Vermutung war ja immer noch, dass es von irgendjemand verlegt oder aufgeräumt worden war, aber das bleibt Spekulation. Eigentlich wollte Evan nochmals mit Merlin und mir an meinem letzten Abend ausgehen, aber da Merlin vom Campen immer noch erschöpft war und Evan dann auch besseres zu tun hatte wurde das Abendprogramm gecancelt. So hatte ich wenigstens Zeit meinen Koffer zu packen. Da ich dieses Mal gewaschen hatte und meine Klamotten in den Schrank geräumt hatte war es dieses Mal auch etwas mehr Arbeit als bei meiner Gastfamilie.

Wie die beiden letzten Mittwoche auch war ich heute wieder an der Weiterreise. Mit all meinen Sachen, die ich in meinem Rucksack und dem Koffer hatte ging es ein weiteres letztes Mal aus meinem Zimmer nach unten in die Halle zum frühstücken. Selbst wer nicht mitbekommen hatte, dass ich heute gehen würde, konnte seine Schlüsse aus dem Reisegepäck ziehen und bevor ich eigentlich richtig mit dem Frühstücken beginnen konnte wurde mir schon fünfmal Wiedersehen gesagt. Dieses Mal konnte ich später das Heim verlassen, als bei meinem letzten Abschied und so hatte ich genügend Zeit allen nochmal die Hand zu geben oder sie zu umarmen. Doch so richtig gewohnt sind die Bewohner Abschiede nicht, weshalb es auch eine teilweise lustige Situation war Tschüss zu sagen. Von vielen bekam ich gesagt, dass ich doch nächstes Mal wieder kommen sollte. Faktoren wie Geld und Zeit spielen dabei zwar auch eine große Rolle, aber das wollten alle nicht wissen. Viel wichtiger war, dass ich auch nach der kurzen Zeit wieder nur sehr ungern gehen gelassen wurde. Eigentlich wollte ich mir wieder ein Grab nehmen, aber Salinder verdonnerte kurzerhand Raju dazu, dass er mich fährt. So hatte ich nochmal die Ehre mit unserem indischen Fahrer über die halbe Insel zu fahren. Scheinbar wollte Raju nochmal zeigen, warum er Fahrer in dem Home ist, denn aus meinem Zeitpuffer von 20 Minuten inklusive Wegstrecke wurden dank früherer Abfahrt und rasantem Fahrstiel fast eine Dreiviertelstunde. Viel zu früh war ich also am Busbahnhof und wartete, dass mein Bus zu meinem nächsten Ziel kommen würde. Um 10 Uhr war die Abfahrt geplant und ausgerechnet bei diesem Mal sollte ich lange Warten bis mein Bus auch tatsächlich kommen würde.

Statt 10 Uhr war meine Abfahrt um 10:53 Uhr und ich hatte über 1 1/2 Stunden auf dem Busbahnhof verbracht, wohlwissend, dass nun ja erst die lange Zeit des Wartens anstand. Auf 7 Stunden war die Busfahrt angesetzt, doch das kam mir beim Buchen schon etwas ambitioniert vor. Wir fuhren aber schon mal wenigstens, auch wenn Stau und Regen für Verzögerungen sorgten. Als wir nach 6 Stunden außerhalb von Kuala Lumpur an einem Bus Terminal stoppten war ich etwas verwirrt. Hier war ich noch nie gewesen und bis zu meinem Ziel Melaka waren es auch noch mindestens 2 Stunden. Es handelte sich um einen Zwischenstopp, der allerdings für eine weitere Touristin zum Albtraum wurde. Sie hatte gedacht, dass der Bus zum Zentrum von KL fahren würde und stand nun etwas verloren hier im Klang-Valley und hoffte heute noch ihr Ziel zu erreichen. Ehrlicherweise hoffte ich das auch. Die Sonne ging schon am Himmel unter als ich nach über 10 Stunden reisen (man beziehe auch die Fahrt zum Busbahnhof ein) in Melaka ankam. Auch wenn ich rein physisch sehr wenig an diesem Tag getan hatte reichte es mir nun aber auch und ich war froh als ich in meinem Grab Richtung Hostel war.  

Weiter Beitrag

Zurück Beitrag

© 2020 Nils Blog

Thema von Anders Norén