Melaka

Ich möchte gleich zu Beginn klarstellen, dass ich Melaka als Name für die Stadt verwenden werde. Die malaiische Schreibweise ist neben Malaka oder auch Malacca nur eine von vielen Variationen für den Namensgeber der Meerenge zwischen Malaysia und Indonesien. Also Melaka nannte ich mein Ziel, doch der Name ist ja wohl wirklich nicht das wichtigste.

Wie im vorherigen Blogbeitrag erzählt, kam ich sehr spät in Melaka an und hatte auch nicht mehr große Motivation. Zusammen mit Swee ging ich Richtung Stadtzentrum und nach gefühlt 100 Metern waren an dem Punkt, den ich schon öfters von Melaka gesehen hatte. Ich hatte nicht gewusst, dass wir so zentral unterkommen würden. Mein Ziel war eigentlich nur ein kleiner Imbiss für den Abend, aber das war hier gar nicht so leicht wie ich es von Penang kannte. Als wir aber ein kleines Restaurant fanden, dass Chicken Rice anbot war ich froh, auch das wieder einmal gegessen zu haben. Es sollte sich noch herausstellen, dass dieses Gericht eine Spezialität von Melaka ist, aber ich greife vor.

Obwohl oder gerade weil ich am Mittwoch wenig gemacht hatte war ich gegen 7 Uhr wach und bereit die Stadt zu erkunden. Doch ich hatte meine Rechnung ohne Swee gemacht. Tatsächlich ging es erst gegen 10:30 Uhr aus dem Hostel los. Das war spät, aber es sollte sich als die gängige Art für die nächsten Tage werden. So war es auch nicht ein Frühstück, dass wir einnahmen sondern eher ein Brunch. Dazu besuchten wir ein Nyonya-Restaurant (Nyonya ist eine Volksgruppe aus Malaysia). Melaka dafür scheinbar ebenso bekannt wie die Rice Balls, die aus Reis und Knoblauch bestehen. Ehrlich gesagt war mir der normale Reis aber immer noch lieber. Glücklicherweise lag unser Restaurant auch in dem chinesischen Viertel, dass wir heute morgen besichtigen wollten, sodass der Weg nicht weit war. Normalerweise sind Städte ja immer sehr voll und überlaufen, doch an diesem Morgen machte Melaka nicht den Eindruck auf mich. Es war sogar recht leer, wenn man es so sehen mochte. Ich war wirklich gespannt, wie das Wochenende das Gesicht der Stadt ändern würde. Auf unserer kleinen Tour kamen wir an vielen kleinen Läden vorbei, die allerlei Kunstwerk verkauften. Ich habe mir hier schon einige Male gedacht, wie viel ich schon gekauft hätte, wenn ich hier leben würde. So musste ich mir aber hierüber nicht den Kopf zerbrechen. Neben den Läden gibt es in dem chinesischen Viertel auch noch zwei Tempel, in denen sowohl Buddhisten als auch z. B. Taoisten beten. Swee konnte mir ein wenig über die Weise des Betens sagen, zu welcher Glaubensrichtung verschiedene Personen angehörten. Es war schön wieder diese Tempel zu besuchen und auch zu sehen, wie gut sich die Religionen gegenseitig respektierten. In der gleichen Straße war nur wenige Meter entfernt eine Moschee und ein hinduistischer Tempel zu finden.

Diese Eindrücke wirkten auch noch etwas nach, als wir ein kleines Café betraten. Dies war einer von Swees Lieblingsplätzen und ich konnte verstehen wieso. Der Laden, der nur aus wenigen Tischen bestand war sehr liebevoll eingerichtet. Der Duft von frisch gemahlenem Kaffee und aufgeschäumter Milch findet man hier nicht so häufig. Mein eigentliches Highlight war aber der Kassettenrekorder, der mir einer Anlage verbunden war. Während irgendeine Kassette lief sah ich, dass um die Anlage herum zahllose weitere Kassetten gestapelt waren. Ich weiß nicht, ob man sich bei Bedarf eine Kassette raussuchen darf, die man dann hört (so wie bei einer Jukebox), aber auf jeden Fall kam in mir ein Nostalgiegefühl hoch. Auch wenn meine Kindheit mit Kassetten nicht so lange war, freute ich mich doch, dass dieses Kaffee offensichtlich gegen den modernen Trend etwas ankämpfte. 

Nun ging es aber zurück ins Hostel, denn wir wollten noch zum Strand gehen. Jeder der jetzt an einen weißen Sandstrand mit Palmen und kristallklares Wasser denkt muss ich enttäuschen. Melaka ist nicht gerade als Badeparadies bekannt, aber wir hatten auch etwas anderes vor. Tatsächlich war der Strand eher ein Sandstrand, der einen kleinen Pinienwald besaß. Es war wirklich ganz nett hier und wie auch den ganzen Tag schon war ich der einzige Europäer weit und breit. Ich glaube bei dem Strand handelt es sich aber auch nicht um eine typische Touristenattraktion. Das kann ich auch verstehen, weil wirklich sehenswert ist er nicht wirklich. Der eigentliche Grund weshalb wir hier waren, lag etwas abseits. Es waren Sanddünen, die an der Küste natürlich entstanden waren. Um dort allerdings hinzugelangen mussten wir erstmal ein ganz schönes Stück wandern. Die Nachmitttagssonne warf schon erste längere Schatten, als wir nach gut einem Kilometer über Stock und Stein die gut 10 Meter hohen Dünen erreichten. Diese zu erklimmen war glücklicherweise nicht ganz so schwer wie ich vermutet hatte. So saßen wir auf dem Sandhaufen, der zusammen mit den anderen Hügeln eine doch sehr schöne Kulisse abgab und beobachteten etwas das Meer und die sich senkende Sonne. So schön ein Sonnenuntergang hier vielleicht auch gewesen wäre. Man muss bedenken, dass wir wieder fast eine Stunde zurück brauchen würden, bis wir eine Straße hatten, um ein Grab zu bestellen. Deswegen machten wir uns bald auf den Weg zurück. Diese Wanderung hatte mir mindestens genauso gut gefallen, wie der Vormittag in der Stadt und ich war aber auch froh, dass heute nicht mehr so viel auf dem Programm stehen würde. Das einzige was wir neben Abendessen heute noch vorhatten war einen Film auf Netflix zu schauen. Ja das mag vielleicht etwas komisch klingen, aber Swee wollte unbedingt in Jumanji 2 ins Kino gehen und deswegen bot es sich an, dass wir zuerst den vorherigen Film anschauen sollten. So verbrachten wir den Abend im Hostel und schauten zusammen den Film.

Am Freitag morgen machte ich mir etwas Sorgen. Durch mein Fenster konnte ich sehen, dass es regnete als ich aufwachte. Das ist für einen Städtetrip natürlich suboptimal und ich hoffte, dass sich der Regen bald verziehen würde. Scheinbar hatte der Wettergott einsehen mit uns, denn als wir das Hostel verließen war kein Regen mehr da. Der Weg zum ersten Ziel für heute war wirklich sehr kurz. Schon nach 50 Metern standen wir am Dutch Graveyard, auf dem einige Menschen begraben liegen. So ganz schlau bin ich aus dem Schild nicht geworden, dass da stand, aber es handelt sich wohl um einen früheren Friedhof, der irgendwann aufgegeben wurde. Von hier war es aber nur noch ein Katzensprung zum St. Pauls Hill und der gleichnamigen Kirche. Auf einem Hügel gelegen ist St. Paul die älteste Kirche Südostasiens. Doch das portugiesische Bauwerk ist nur noch eine Ruine aus den Außenwänden und einigen Grabsteinen. Der Blick, den von dieser Anhöhe hat ist in Kombination mit dem Seewind sehr angenehm. Man kann sich gar nicht so richtig vorstellen, dass Melaka einst die bedeutendste Hafenstadt in Malaysia war, denn neben win bisschen Meer ist auch kein historischer Hafen in Sicht. Dafür gibt es aber weitere Überreste aus der Zeit als die Portugiesen hier gelebt haben. A Famosa, eine frühere Festung, hat nur in Form eines Tores überlebt. Die Porta de Santiago ist noch das Überbleibsel einer Festungsanlage, die sich scheinbar um den ganzen St. Pauls Hügel geschlungen hat. Nach relativ kurzer Zeit hatten wir das Torhaus erkundet und waren nun auf dem Weg zu einer Mall. Wie schon erwähnt wollte Swee unbedingt den Kinofilm Jumanji 2 anschauen und wir hatten noch etwas Zeit davor, um in der Mall zu schlendern. Ich hatte mir zuvor glücklicherweise meinen Pullover geholt, da ich noch aus meinem Jahr wusste, dass es in Kinos nochmals kälter ist, als in den klimatisierten Malls sowieso.

Der Film, der auf Englisch mit malaiischen Untertiteln gezeigt wurde, war nicht schlecht, aber es war auf jeden Fall hilfreich gewesen, dass wir uns am Abend zuvor den ersten Teil angeschaut hatten. Normalerweise gehe ich abends ins Kino und so war es für mich ein recht komisches Gefühl, als es draußen noch so hell war, als wir den Kinosaal verließen. Wir wollten heute aber auch nicht mehr ganz so viel machen, sondern eher auf den Abend warten. In der Jonker Street gibt es am Wochenende immer einen sehr bekannten Nachtmarkt. Der Straße an sich ist das jedoch nichts anzumerken bis Freitag Abend. Es ist eigentlich eine ganz normale Straße, die sich jedoch dann in ein Spektakel verwandelt. Es war nicht der erste Nachtmarkt, auf dem ich war doch so voll war es damals nie gewesen. Nun sah ich das erste Mal auch andere Touristen in der Masse an Menschen, die sich durch den Pasar Malam bewegte. Das Angebot der Stände wurde von Essen und Trinken dominiert. Ansonsten konnte man aber auch Schmuck, Technik oder andere Raritäten erwerben. Es ist gar nicht so leicht im Getümmel der Masse nicht verloren zu gehen, aber nachdem wir uns mit diversen Zwischenstopps einmal durch die Jonker Street gekämpft hatten, wollten wir noch etwas richtiges Essen. Die kleinen Snacks auf dem Weg waren zwar ganz gut, aber nicht sättigend und deswegen bestellten wir an einem Stand ein richtiges Essen. Während wir warteten konnten wir den Proben auf einer Bühne etwas beiwohnen. Inmitten von hunderten Menschen übten einige Personen Tänze oder machten einen Soundcheck der Gitarre. Ich weiß nicht wann diese Auftritte stattfinden sollten wenn nicht heute oder morgen, aber nach heute sah es nicht wirklich aus. Ebenfalls interessant war, dass es selbst für die Proben schon eine Art Publikum gab, dass sich niedergelassen hatte. Der Abend war trotz dem Trubel noch sehr entspannt und wir genossen die Atmosphäre der Jonker Street.

Am nächsten Morgen wir bestiegen erneut den St. Pauls Hügel, da hier eine erfrischende Brise war. Nach kurzem Abstieg waren wir wieder im Herzen Melakas. Das schöne an der Stadt war zugleich auch etwas lustige. Man sah Touristen nicht nur einmal, sondern mindestens zweimal, da sie sich nicht in der Stadt so verteilten wie ich das gewohnt war. Am Stadthuys und der Christchurch, dem eigentlichen Stadtzentrum verweilten wir eine kurze Zeit, um dann am Melaka River weiterzulaufen. Der Fluss, der scheinbar früher auch sehr durch den Handel frequentiert war, ist heute auch eine Art Attraktion. Entlang des Ufers haben sich neben Bars auch Hostels niedergelassen und zumindest rund um das Zentrum das Leben zurückgebracht. Zum anderen findet man am Melaka River diverse Street Art an den Häuserwänden. Ein Spaziergang kann sehr interessant sein, aber wer dafür zu faul ist nimmt einfach ein Boot, welches den Fluss auf und ab fährt. Unser nächstes Ziel lag aber wieder Richtung A Famosa: das Sultanmuseum von Melaka. In einem Holznachbau des ehemaligen Sultanpalasts wird die Geschichte von dem Herrscher, der Stadt und dem frühere Handel erzählt. Obwohl ich nicht wirklich der Museumsgänger bin war es ganz okay und ich konnte mir die Geschichte etwas genauer anschauen. Jedoch war ich auch auf unser nächstes Ziel gespannt. Etwas außerhalb war eine Moschee, die auch wieder ins Wasser gebaut war. Es ist schon interessant, dass so viele Moscheen in Städten ins Meer gebaut wurden. Für Swee war es das erste Mal, dass sie eine Moschee betrat und irgendwie war das schon interessant, weil sie ja eigentlich mit dem Islam in Kontakt tritt. So konnte ich das was ich über Moscheen und den Islam wusste wenigstens etwas weitergeben. Wir schauten uns den Sonnenuntergang im Meer an und machten uns dann wieder auf den Weg zurück. Es sollte ein weiteres Mal Chicken Rice in dem Restaurant geben, in dem wir schon am ersten Abend gegessen haben. Ich hatte wirklich vergessen, wie gut die Chilis zu diesem Reis passten und es freute mich die Kombination aus Reis, Sojasoße und Chili wieder hier zu essen. Mit diesem anhaltenden Glücksgefühl machten wir uns ein letztes Mal für heute auf Richtung Museum und A Famosa. Mittlerweile konnte ich den Weg fast blind gehen so oft waren wir diese Straße entlang gegangen. Schon seit Donnerstag waren Proben auf einer Bühne gewesen (nicht die in der Jonker Street) und heute sollte die Show stattfinden. Ich wusste allerdings nicht, dass es eine Liveübertragung für das Fernsehen sein würde. Der Platz vor der Bühne war allerdings gar nicht so voll wie ich gedacht hatte. Die Show an sich war ganz interessant mit Tänzen und Songs, die gesungen wurden. Allerdings war ich öfters abgelenkt von der Arbeitsweise des Kamerateams und wie die verschiedenen Kameraeinstellungen von der Regie geschalten wurden. Es war ein sehr schöner letzter Abend und natürlich wurde ich auch einmal von der Kamera eingefangen und war so wahrscheinlich auch im malaiischen Fernsehen zu sehen.

Sonntag. Der letzte Tag, an dem wir nicht viel vorhatten, startete wieder spät. Melaka war erkundet und es gab nicht wirklich noch etwas zu sehen, dass wir an diesem Tag hätten uns anschauen können. Natürlich gab es noch eine weitere Hand voll Museen, aber diese reizten mich nicht wirklich. So liefen wir eher noch etwas im Zentrum der Stadt herum und sahen so wieder fast alle Sehenswürdigkeiten. Unser letztes Mittagessen war schon fast von etwas Stress bestimmt, da wir unser Grab zum Busterminal erwischen mussten. Es hatte sich allerdings so ein Stau gebildet, dass der Fahrer für einen halben Kilometer über 10 Minuten brauchte und wir schon fast damit rechneten den Bus nicht zu erwischen. Doch das Glück war mit uns uns dank tollen Fahrkünsten unseres Taxifahrers erreichten wir unseren Bus pünktlich und konnten uns auf den Weg nach KL machen. 

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