Fazit

Während ich die letzten Beiträge für meinen Blog geschrieben habe, ist mir aufgefallen, dass ich von generelleren Themen mehr zu einem Bericht über meinen Urlaub übergegangen bin. Ich denke für die meisten Leser ist das nicht wirklich ein Problem, aber für mich in gewisser Weise schon. Warum? Nun, ich möchte mehr über Eindrücke und Erfahrungen schreiben, als bloß einen Reisebericht. Also wieder mehr in diese Richtung:

Diese Reise war anders als viele Reisen zuvor. Ich war weder das erste Mal alleine unterwegs, noch das erste Mal in Malaysia. Trotzdem war es die Kombination aus einem langen Zeitraum und das Planen der einzelnen Reiseetappen – nennen wir wir es – fordernd. Ich habe während meiner Reise gemerkt, wie sehr ich wieder die deutsche Mentalität angenommen habe. Ein Beispiel dafür ist die Buchung der Fernbusse. Bereits vor meiner Reise hatte ich alle Busverbindungen gebucht und so alle Tickets während meiner Reise parat. Klingt doch nicht schlecht oder? Ja, könnte man so sagen, aber es wäre auch einfacher gegangen. Bei meiner Ankunft in Kampar hatte ich bemerkt, dass auch von hier Busse nach Penang fuhren. Diese waren allerdings nicht im Internet aufgelistet gewesen, weswegen ich einen Bus von dem entfernteren Ipoh gebucht hatte. Wieso habe ich nicht einfach gewartet und mir spontan einen Bus am Schalter gebucht? Vermutlich weil ich gerne meinen ganzen Trip vor der Abreise fertig geplant haben wollte. Doch Amsterdam hat mir gezeigt, dass Pläne eben auch ganz schnell vernichtet werden können. Ich hätte mir so vielleicht auch viel Arbeit im Voraus gespart, aber schlussendlich wusste ich im Flieger zurück nach Frankfurt, dass nun alles geschafft war.

Das klingt in gewisser Weise erschöpft und froh, dass die Reise vorbei ist. Ehrlich gesagt war mein Gefühl zum Teil auch so. Wie ich schon geschrieben hatte, kann ich nun verstehen, warum Reisende auf Pauschalurlaube zurückgreifen. Doch ich würde nicht alles hier auf die Planung einer Reise schieben. Dennoch möchte ich hier eine kurze Geschichte von meinen letzten Tagen in Malaysia erzählen.

Paulina, eine ehemalige AFS-Austauschschülerin, habe ich in KL getroffen und wir haben uns über sehr vieles unterhalten. Unter anderem sagte sie auch, dass sie einen Unterschied in einer Reise und einem Urlaub sieht. So klar war mir das zuvor nicht, doch jetzt verwende ich bewusst nicht den Begriff Urlaub. Warum nicht? Meiner Auffassung nach ist ein Urlaub dazu da sich zu entspannen und einfach die Seele baumeln zu lassen. Eine Reise dagegen zielt eher auf einen sehr aktivitätsreichen Urlaub ab. Es ist nicht so, dass ich einen Urlaub als schlecht darstellen will – ganz im Gegenteil. Gerade nach einer stressigen Zeit zu Hause kann ein Urlaub Wunder bewirken, doch ich habe für mich gemerkt, dass ich derzeit eher der Reisetyp bin. Die Neugier zu entdecken, was sich abseits der typischen Touristenhotspots verbirgt, ist auch dieses Mal dominierender gewesen, als das Gefühl einfach mal nichts zu machen. Doch eine Reise ist auch deutlich anstrengender und manchmal müsste man vielleicht nach einer Reise erstmal Urlaub nehmen. Paradox irgendwie. Ich kann jedoch behaupten, dass ich genug Phasen hatte, in denen ich mich von meiner Reise erholen konnte.

Diese Reise war anders als viele Reisen zuvor. Normalerweise kann ich im Nachhinein eine sehr klares Fazit über meine Reise ziehen. Dieses Mal war es jedoch anders. Ich muss gestehen, dass dieses Mal die Reise von Hochs und Tiefs bestimmt war, die mich keine klare Meinung ziehen lassen. Ich versuche es trotzdem einmal:
Wie auf jeder meiner Reisen habe ich sehr vieles erlebt, dass ich so noch nie zuvor gesehen, gespürt oder erlebt hatte. Ob das eine Flugverspätung mit einem langem Aufenthalt ist, eine hinduistische Hochzeit im engsten Kreise der Familie oder das Wiedersehen mit Menschen, die dachten sie sähen mich nie wieder in ihrem Leben. Doch auch das Gefühl wieder ein richtiger Tourist in einer fremden Stadt zu sein war genauso interessant wie die Zeit als fast schon Einheimischer in Penang. Es sind viele Kontraste, die ich innerhalb der vier Wochen erlebt habe. Die Zeit in meiner Gastfamilie, die wirklich auf dem Land lebt gegenüber der Millionenstadt Kuala Lumpur. Das Gefühl, dass sich um einen gekümmert wird gegenüber dem „Pflegen“ der Heimbewohner in meinem ehemaligen Projekt. Das sind nur wenige Beispiele, die zeigen sollen wie unterschiedlich doch meine Reise war. Gibt es also ein Fazit? Nicht wirklich. Während meiner Reise habe ich mich des öfteren gefragt, ob ich zufrieden bin wie ich meinen Trip zusammengestellt habe. Nicht immer habe ich eine für mich eine positive Bilanz gezogen. Das lag auch nicht immer an den Umständen oder an hohen Erwartungen meinerseits. Ich würde sagen es war teilweise eine innere Unruhe oder Zerrissenheit, die ich erlebt habe. Ein Beispiel davon kann man im Beitrag „Wertschätzung“ lesen. Auch die Tatsache, dass ich meistens mehrere Stunden über einem Beitrag sitze macht deutlich, dass es nicht immer leicht ist Gedanken und Gefühle in Worte zu fassen.

Diese Reise war anders als viele Reisen zuvor. Diese innere Zerrissenheit spiegelte sich auch auf mein Gastland wieder. Es war das erste Mal, dass ich nach längerer Zeit in ein Land zurückkehrte, dass von der Kultur und Lebensweise so anders ist. In den vier Wochen ist mir wieder vieles aufgefallen, dass ich nach meinem IJFD in Deutschland wieder verdrängt hatte und eine Art rosarote Brille aufhatte. Ich würde sagen, dass ich nach 1 1/2 Jahren wieder einen neuen ungefilterten Blick auf Malaysia hatte und auch vieles wieder entdeckte, was mich störte. In dem Beitrag „Kontraste“ hatte ich schon einmal beschrieben, dass ich merken würde wie meine innere Rebellion langsam abnehmen würde. Bis heute würde ich dieses Statement unterschreiben und sagen, dass ich mich in diesem Punkt noch nicht viel geändert habe. Plastikstrohhalme waren am Anfang meiner Reise eine Art Feindobjekt. Mit zunehmender Zeit wich jedoch wieder meine Resilienz und ich sah sie als natürlichen Teil des Gefüges.

Heute ist der letzte Tag des Jahres. Eigentlich eine gute Zeit ein Fazit zu ziehen und zurückzublicken. Ich glaube es ist mir ganz gut gelungen, etwas von meiner Reise zu berichten und nun in diesem Beitrag auch zu erklären, wie vielfältig meine Eindrücke waren. Abschließend möchte ich sagen: Auch wenn ich glaubte nach gut einem Jahr Malaysia ganz gut zu kennen, habe ich wieder gelernt, dass ich noch ganz vieles nicht weiß. Diese Neugier hinter die Kulissen eines Landes zu schauen und die Sicht eines Urlaubstouristen zu verlassen treibt mich an auch weiterhin zu reisen und wer weiß wann es das nächste Mal los geht.

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